Aufklärung mit «Tiefgang»

    Unaufgeregt aber effizient: Michal Lewkowicz‘ kleiner, aber feiner Beitrag zur Völkerverständigung

    Man kann auf viele verschiedene Arten Brücken bauen und Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen bringen, sensibilisieren oder auch aufklären. Wichtig ist, dass das Netzwerk mitmacht. Eine der Top-Netzwerkerinnen im Bereich der Basler Festivalwelt ist  Michal Lewkowicz, Gründerin des Mizmorim Festivals. Ihr Traum ging weit über eine Etablierung eines Festivals klassischer jüdischer Musik hinaus.

    (Bilder: zVg / Mizmorim) Michal Lewkowicz hat sich einen ambitionierten Traum erfüllt.

    Michal Lewkowicz ist die Künstlerische Leiterin des mittlerweile schon in Basel etablierten Mizmorim Festivals, welches Ende Januar zum sechsten mal erfolgreich durchgeführt wurde. Das Mizmorim Festival ist ein jährliches Festival zur Feier der jüdischen klassischen Musik und Kultur. Das Besondere an Michal Lewkowicz und am Festival beschränkt sich nicht nur auf den künstlerischen Aspekt. Es geht um Tiefgründigeres, um das Bauen von Brücken zwischen Kulturen: «Natürlich hatte ich als Musikerin und Künstlerischen Leiterin den grossen Traum, in meiner Wahlheimat Basel mit seiner wichtigen historischen Position in der jüdischen Welt ein Musik- und Kulturfestival zu etablieren und einem Bedürfnis eines Teils des Zielpublikums zu entsprechen. Aber es ging mir immer um mehr: Mein Ziel ist es, durch die Musik und die breiten kulturellen Aspekte eine Verbindung auf-zubauen. Ich wähle jedes Jahr ein anderes Thema für das Festival, lade die beste Musiker-Innen und Künstlerinnen ein und erstelle dadurch ein Programm, der sich an alle Kultur- und Musikfans zugänglich ist. Ich wollte immer zeigen, dass die Kulturen und deren Kunst und Musik sehr breit sind und alle ansprechen können. In unserer globalisierten Welt haben wir so viele Möglichkeiten, das ganze Spektrum aller Kulturen kennen zu lernen. Und so freue ich mich natürlich ungemein, wenn wir mit dem Festival jedes Jahr etwas dazu beitragen können, dass man sich interessieren und öffnen kann für eine Kultur. Basel mit seinem Flair für Kultur und Weltoffenheit ist ein sehr guter Ort  für solche Projekte.»

    Musik geniessen und die Geschichten dahinter erzählen…
    Michal Lewkowicz stammt aus Israel und  betont, dass sie keinerlei politische oder gesellschaftskritische Botschaften zulässt, wenn es um das Festival geht: «Das hat bei uns keinen Platz. Durch die Musik und die Kultur versuchen wir, Menschen und verschiedene Kulturen einander näher zu bringen.» Daran halten sich alle im Team der Festivaldirektion (Guy Rueff, Dr. Philippe Nordmann, Laura Karney Chen Halevi und Heidy Zimmermann).  Michal Lewkowicz setzt auch stark auf das Erzählen von Geschichten – in Neudeutsch Storyt elling. So stand das Hauptthema vom 23.  Bis 26. Januar unter dem Motto «Tour Da Ponte». Es widmete sich dem Literaten und Librettisten Lorenzo Da Ponte. Heute vor allem als Textdichter der drei Mozart-Opern Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte bekannt, kann Da Ponte als eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Epoche bezeichnet werden.  Geboren wurde er als Emanuele Conegliano in der italienischen Stadt Ceneda in der Nähe von Venedig, bevor die Familie vom jüdischen Glauben zum Katholizismus konvertierten musste, um drohende Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben zu entgehen. Die Verbannung aus Venedig 1779 führte ihn auf eine abenteuerliche lebenslange Reise durch die grossen Städte Europas bis in die Vereinigten Staaten. In New York verfasste er seine Memoiren und gründete das erste US-Opernhaus, aus dem die berühmte Metropolitan Opera hervorging. Ausserdem schrieb er mehrere neue Mizmorim, also jüdische Psalmen (daher stammt auch der Name des Festivals), die in die Konzertprogramme des Festivals jeweils eingebunden werden. Michal Lewkowicz: «Nicht nur das musikalische Werk, auch die Geschichte von Da Ponte war sehr spannend und regt zum Nachdenken an.»

    Ein Treffen Gleichgesinnter aus Musik und Kultur mit unaufgeregter aber klarer Intention: Musik verbindet und öffnet die Herzen.

    «Um kreativ zu sein, muss ich kreieren»
    Die Klarinettistin Michal Lewkowicz hat sich also einen Traum erfüllt und bilanziert: «Da ich die Erfüllung dieses lang gehegten Traums erlebe, blicke ich geehrt auf das Erreichte. Ich hatte den Drang, etwas Eigenes zu schaffen und zu etablieren. Ich wollte mehr über jüdische klassische Musik und ihre Tradition entdecken und forschen. Es ist ein vernachlässigtes Feld, das einen gebührenden Platz im Kanon der westlichen Musik erhalten sollte.» Michal Lewkowicz zeigt sich überwältigt von den wunderbaren Rückmeldungen der vergangenen Jahre, möchte die grossartige Unterstützung der Stiftungen, Kooperationspartner, Veranstaltungsorte, Vereine und Sponsoren betonen und verfolgt das Ziel, jedes Jahr die auf ihrem Gebiet besten nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstler einzuladen, um ausgewählte Musik auf höchstem Niveau zu präsentieren. «Es liegt mir sehr am Herzen, das Festival auch weiterhin in Basel zu verankern, da diese Kulturstadt eine enge Beziehung zum Judentum und zu Israel hat. Ich habe immer nach dem Motto gelebt: «Um kreativ zu sein, muss ich kreieren.»

    JoW